DER HOHEPRIESTER
Liebe

DER HOHEPRIESTERliebe

Primäre Bedeutung

Engagementgemeinsame WerteEheTreueernsthafte BeziehungTraditionRespekt

Umgekehrte Bedeutung

Druck durch ErwartungenZwang durch Konventionenabweichende Wertefestgefahrene Rolle

Beschreibung

In der Liebe ist der Hohepriester die Karte der ausgesprochenen Verpflichtung, also des Moments, in dem etwas Privates öffentlich wird.

Schau dir das Bild genau an, wo ein Hohepriester zwischen zwei Steinsäulen sitzt, vor ihm knien zwei Mönche, und zu seinen Füßen liegen zwei gekreuzte Schlüssel – denn diese Karte handelt nicht vom Funken, sondern von dem, was nach dem Funken kommt: dem Rahmen, der Zeremonie, dem Ring, der Vorstellung, dem gemeinsamen Weihnachtsfest.

Diese Karte bedeutet oft wörtlich eine Verlobung oder Hochzeit, aber ihre tiefere Botschaft ist umfassender: Sie fragt dich, ob du es wagst, das, was zwischen euch ist, auch vor anderen zu bekennen, denn solange eine Beziehung ein Geheimnis ist, hat sie kein Gewicht, und was nie laut ausgesprochen wurde, kann jederzeit geleugnet werden.

Und wenn du allein bist, dann geht es darum, ob du mit jemandem zusammen sein kannst, dem dasselbe wichtig ist wie dir – denn die ersten drei Monate der Liebe handeln von der Anziehung, die nächsten dreißig Jahre jedoch davon, ob ihr dasselbe darüber denkt, was zählt.

Beachte die Kleidung der beiden knienden Mönche, denn auf dem einen blühen Rosen, auf dem anderen Lilien, das heißt, in dem einen wirkt die Leidenschaft, in dem anderen die Reinheit: Diese Karte besagt, dass in einer guten Beziehung beides notwendig ist, denn Leidenschaft zerfällt ohne Rahmen, und der Rahmen ist ohne Leidenschaft nur ein Mitbewohner.

Aber sei auch vorsichtig mit ihrer umgekehrten Seite, denn der Schatten dieser Karte ist schmerzhaft: wenn die Form den Inhalt überlebt und zwei Menschen nur noch zusammenbleiben, weil die Leute sonst etwas sagen würden, oder weil es so üblich ist – dann wird aus der Zeremonie ein Käfig.

Und es gibt noch einen weiteren Schatten: wenn jemand einen Partner nach den Erwartungen anderer wählt, nicht nach seinen eigenen.

Frage heute jemanden, der seit dreißig Jahren verheiratet ist, was sie zusammengehalten hat.

Botschaft

Du musst nicht alles alleine herausfinden.

Schau dir die Karte genau an, auf der ein Hohepriester auf seinem Thron zwischen zwei Steinsäulen sitzt, eine dreifache Krone auf dem Kopf, die rechte Hand zum Segen erhoben, und vor ihm knien zwei Mönche, zu seinen Füßen liegen zwei gekreuzte Schlüssel.

Und achte auf das Wichtigste: Diese Schlüssel sind nicht in seiner Hand, sondern auf dem Boden, denn dieser Mann besitzt die Tür nicht, er bewacht nur, was dahinter ist.

Das ist deine Botschaft heute Abend: Das, womit du jetzt in deinen Beziehungen kämpfst, ist schon jemandem passiert. Jemand hat dieselbe Stille in der Küche erlebt, jemand hat sich genau so die Hände verbrannt, und jemand hat gelernt, was anders hätte sein sollen – und Tradition ist nichts anderes als das gesammelte Protokoll all dieser vielen Verbrennungen.

Suche also jemanden, der schon dreißig Jahre mit jemandem zusammen ist, und frage ihn, was sie zusammengehalten hat: Denn keinen Rat zu fragen, ist nicht Stolz, sondern das teuerste Lehrgeld, das man zahlen kann.

Diese Karte handelt außerdem vom Aussprechen, von dem Moment, in dem etwas Privates öffentlich wird: einer Vorstellung, einem Ring, einem gemeinsamen Weihnachtsfest, einem Satz, nach dem es kein Zurück mehr gibt. Denn solange eine Beziehung ein Geheimnis ist, hat sie kein Gewicht, und was nie laut ausgesprochen wurde, kann jederzeit geleugnet werden.

Achte nun auf die Kleidung der beiden knienden Mönche: Auf dem einen blühen Rosen, das heißt, in ihm wirkt die Leidenschaft, auf dem anderen Lilien, das heißt, Reinheit und Disziplin – und diese Karte sagt dir, dass in einer guten Beziehung beides nötig ist, denn Leidenschaft ohne Rahmen zerfällt früher oder später, der Rahmen aber ohne Leidenschaft ist nur eine Wohngemeinschaft.

Und beachte, dass es zwei Schlüssel gibt, gekreuzt: Das heißt, mehr als ein Weg führt zum selben Ziel. Wenn dir jemand sagt, dass es nur eine einzige richtige Form der Liebe gibt, und das zufällig genau die ist, in der er lebt, dann nimm keinen Rat von ihm an.

In umgekehrter Position hat die Form den Inhalt überlebt, und die beiden bleiben nur noch zusammen, weil es so üblich ist oder weil die Leute reden würden – in solchen Fällen wird aus dem Ritual ein Käfig.

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